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Paintings

Touristguide

Acrylic on Canvas

100 x 70 cm

Durch das kleine von Frost beschlagene Fenster sehe ich hinter den von rost und Moos kaschierten Gitterstäben des Ba- dezimmers in der vom weiss des winters berührten Natur einen Fremdenführer mit einer Hundeleine unter einer Eiben ohne Blätter stehen. Wo ist die Sonne, wo ist der Hund und wo sind die Fremden die er doch so sehr braucht? Das sind die Fra- gen die unter meiner Schädeldecke Rou- lett spielen. Ich reisse nur ein Blatt von der neben der Toiletteninstallation angebrachten Rolle aus Papier ab und wische mir die unter der Nase hängende Träne weg. Ich werfe das zweimal zusam- mengefaltete Tuch mit dem ersten Tropfen meines Augenliedes entronnen als Inhalt in die mit einer Mischung aus Wasser und Urin halbvolle Pozellanschüssel un- ter meiner rechten Kniescheibe. Bin ich dem Fremdenführer zu verstraut oder ist er mir zu fremd um Ihm die Wahrheit über seinen Hund zu offenbaren? Wie auch immer. Ich habe seinen Dackel erdrosselt weil er mit seinem achso niedlichen win- seln meinen Schnittlauch am Wachstum hinderte. Ich höre es zwar nicht doch fühle ich den ersten Kontakt mit der Oberfläche und breche in Tränen aus. Mit zitternden Fingern betätige ich den kleinen silbernen Knauf an der seite des Spühlkasten und beobachte wie die Tränen verschwinden im ungewissen Kanalsystem unter mei- nen von Gänsehaut strukturierten Füssen. Ich betrachte mein diffuses Spiegelbild durch die über die Jahre aufgeschichteten Zahnpastenschmieren und zwinkere mir selbst vorwurfsvoll zwei mal zu bevor ich das Licht lösche und zu Bett gehe. Das viele Tujon im Wermuthschnapps und der harte Aufschlag als ich im ersten Wagen direkt hinter der Lokomotive mit dem Kopf zu Boden pralle unterrichtet mich wie Selbstmord der Mutter in der Kinderstube. Dieses Verständnis ist wie Brennende vor ihren Narben zu schützen. Wundsalbe als Nahrung bewahrt nicht vor Wahrheit und Offenbarung.